
Leczo
Paprika-Tomaten-Eintopf mit Kiełbasa, gemüsebetont und schnell auf dem Tisch, klar zu unterscheiden vom Gulasz wieprzowy mit langsam geschmortem Würfelfleisch.
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Paprika in Streifen, Zwiebeln in Halbringe, Tomaten würfeln (oder passierte Tomaten bereitstellen). Kiełbasa in Scheiben schneiden.
Tipps: Welche Wurstsorte wohin passt, erklärt das Kiełbasa-Arten-Lexikon, gute Ware dafür findest du im Polenladen.
Zutaten
- Paprika (rot und/oder gelb)4 Stück
- Zwiebeln2 Stück
- Tomaten reif oder passierte Tomaten400 g
- Kiełbasa (geräuchert oder Krakauer-Schnitt)300 g
- Öl oder Schmalz zum Dünsten2 EL
- Paprikapulver edelsüß1 EL
- Majeranek (optional)0.5 TL
- Salz und Pfeffer1 nach Geschmack
- Eier (optional, zum Stocken im Eintopf)4 Stück
Alemniam
Mehr über dieses Gericht
Leczo
Leczo, paprika-süß, tomatig, alltagsnah, Gemüse führt, Wurst trägt. Leczo geht auf das ungarische Lecsó zurück, und dessen Geschichte beginnt mit zwei amerikanischen Importen, die Europa lange ignorierte: Paprika und Tomate erreichten über die Osmanen den Balkan, wo sie zuerst von Türken, Arabern und sephardischen Juden zu einfachen Eintöpfen verarbeitet wurden. Erst im 19. Jahrhundert begannen ungarische Bäuerinnen und Bauern rund um Szeged und Kalocsa, getrocknete Paprikaschoten zu dem Gewürz zu mahlen, das heute die gesamte Küche prägt, während die dünnwandige, süße Spitzpaprika namens TV paprika (für tölteni való, „zum Füllen“) frisch in den Topf wanderte. Sprachforscher vermuten, dass der Name selbst lautmalerisch ist, abgeleitet von einem ungarischen Dialektwort für weich und breiig gekochtes Gemüse, nicht, wie oft angenommen, von bulgarischen Wandergärtnern. Von Ungarn aus verbreitete sich das Gericht über die gesamte Region, wobei jedes Land seine eigene Linie zog: Serbien entwickelte đuveč und das eingekochte ajvar, Rumänien die zacuscă, und in Polen wurde aus der ungarischen Beilage ein eigenständiges Hauptgericht, bei dem Kiełbasa fast immer mitkocht und Zucchini gelegentlich dazukommt, was das polnische Leczo der französischen Ratatouille annähert. Das ist kein Gulasz wieprzowy, dort führt langes Schmoren von Schweinewürfeln in Paprikasoße, hier bestimmen weiche Paprikastreifen und Tomatensauce das Bild. Auch kein Bigos mit seinen Kraut- und Fleischschichten und keine Fasolka po bretońsku mit Bohnen als Basis.
Einkaufen und kochen
Paprika und Tomaten oder Passata bekommst du im Supermarkt. Kiełbasa kaufst du am besten im Polenladen, geräuchert oder im Krakauer-Schnitt für Scheiben, Typen und Qualität erklärt das Kiełbasa-Arten-Lexikon. Dazu edelsüßes Paprikapulver, optional etwas Majeranek, sowie Öl oder Schmalz. Einen Schweinenacken wie für Gulasz brauchst du hier nicht, die Wurst übernimmt die Proteinrolle.
Die Zwiebel wird zuerst glasig gedünstet, danach zieht die Paprika mit, bis sie weich, aber nicht matschig ist, ein kurzer Widerstand beim Anbeißen bleibt am Ende erwünscht. Die Wurst kommt erst kurz vor der Flüssigkeit dazu und wird nur angebraten, nicht durchgekocht, damit sie ihre eigene Würze behält. Tomate und Paprikapulver bringen dann Säure und Farbe, danach köchelt alles zugedeckt, bis sich die Sauce bindet, ganz anders als die neunzig Minuten Schmorzeit bei Gulasz wieprzowy, wo das Fleisch im Mittelpunkt steht. Optional lässt sich ein Ei in Mulden einschlagen und zugedeckt stocken, wie es die ungarische bogrács-Tradition am offenen Feuer schon vorsah. Majeranek sparsam dosieren, mehr dazu im Majeranek-Lexikon.
In Deutschland landet Leczo oft als schneller Topf nach der Schicht auf dem Tisch: Paprika aus dem Supermarkt, Kiełbasa aus dem Polenladen, fertig in weniger als einer Stunde. Kinder mögen meist die milde Süße der Paprika, wer es schärfer mag, gibt am Tisch noch Chili dazu. Wer sich über Wurstsorten informieren will, findet Details im Kiełbasa-Arten-Lexikon. Am Wochenende passt Leczo gut zum ruhigeren Rahmen des Sonntagsessens.
Am Tisch
Heiß mit Brot, Reis oder Kartoffeln servieren. Als ruhiger Alltagsteller passt Leczo neben den Rhythmus des Sonntagsessens, ohne diesen größeren Menürahmen zu ersetzen. Es ist kein Ersatz für Bigos, Kraut und Paprika bleiben zwei verschiedene Geschmackswelten. Reste schmecken am nächsten Tag in der Pfanne aufgewärmt oft noch runder, weil sich die Aromen weiter verbinden.
Leczo mit Gulasz wieprzowy zu verwechseln und Würfelfleisch neunzig Minuten zu schmoren, verfehlt den Kern des Gerichts. Rohe, noch knackige Paprika bedeutet meist zu kurze Garzeit, zu wenig Tomate macht die Sauce trocken statt sämig. Dunkle Grillwurst allein ohne die dominierende Gemüsemenge verschiebt das Gericht in eine andere Richtung, denn Leczo lebt von der Balance zwischen Paprika, Tomate und nur einer moderaten Menge Wurst.
Ganz ohne Wurst wird Leczo zur vegetarischen Variante aus Paprika und Tomate allein, mit Zucchini nähert es sich der polnischen Alltagslinie mit Ratatouille-Einschlag, mit einem eingeschlagenen Ei erinnert es an die ungarische bogrács-Tradition am offenen Feuer. Der Nachbar mit langem Schmorfleisch bleibt Gulasz, der Krauttopf Bigos, der Bohneneintopf Fasolka po bretońsku. Würze erklärt das Majeranek-Lexikon, Wursttypen das Kiełbasa-Arten-Lexikon, typische Zutaten findest du im Polenladen.
