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Kapuśniak

Kapuśniak

Sauerkrautsuppe mit Kartoffeln und geräucherter Wurst, ein löffelbarer Suppenklassiker und klar kein Bigos.

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85 Min
Schritte1 / 4

Rauchfleisch oder Kiełbasa anbraten, Zwiebel glasig anschwitzen und mit Brühe aufgießen.

Tipps: Bei der Wurstwahl hilft Kiełbasa-Arten, denn geräucherte Wurst trägt die Suppe besser als milde biała kiełbasa.

Zutaten

  • Fleisch- oder Gemüsebrühe1.5 l
  • Sauerkraut (Kapusta kiszona)500 g
  • Geräucherte Kiełbasa oder Räucherspeck250 g
  • Kartoffeln400 g
  • Karotte1 Stück
  • Zwiebel1 Stück
  • Majoran1 TL
  • Lorbeerblätter2 Stück
  • Pimentkörner4 Stück
  • Pfeffer, Salz1 Prise

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Mehr über dieses Gericht

Kapuśniak

Kapuśniak, säuerlich-rauchig, sättigend, winterfest. Kapuśniak ist seit mindestens dem 15. oder 16. Jahrhundert in mehreren regionalen Varianten in Polen belegt, aus einer Zeit, in der Kohl über den Königshof von Władysław Jagiełło aus Italien nach Polen kam, sich aber erst unter der Wasa-Dynastie im ganzen Land durchsetzte. Fermentierter Kohl in Holzfässern war neben eingelegtem Hering damals das Rückgrat der Vorratshaltung, weil die Milchsäuregärung Vitamin C über Monate erhielt, wenn frisches Gemüse längst verbraucht war. Aus dieser Notwendigkeit wurde ein Alltagsgericht, das gleichzeitig festtagstauglich war: einfache Brühe für den Wochentag, kräftige Rippchen und viel Speck für Hochzeiten und Taufen. Charmant ist auch die sprachliche Nebenbedeutung, denn Kapuśniaczek bezeichnet im Polnischen bis heute den feinen Herbstregen, der einst genau zur Erntezeit des Kohls fiel. Regional trägt die Suppe eigene Namen: in den Bergen des Podhale heißt sie Kwaśnica und verzichtet auf Wurzelgemüse, in Pommern unterscheidet man Szarpak mit kiszonem Kraut von Parzybroda mit frischem Kohl. Bewusst getrennt bleibt sie von Bigos, der als Schmorgericht ganz ohne Suppencharakter auskommt. Die Säure kommt hier von Kapusta kiszona, nicht von Zakwas wie bei Żurek und nicht von Roter Bete wie bei Barszcz.

Einkaufen und kochen

Gute Kapusta kiszona und geräucherte Wurst findest du im Polenladen, Qualität und passende Wurstsorte erklärt Kiełbasa-Arten. Majoran sollte frisch genug riechen, dazu mehr im Lexikon zu Majeranek. Wer selbst säuert, findet Details im Kiszenie-Guide. Kartoffeln und Zwiebel bekommst du im normalen Supermarkt, wichtig ist eine Brühe mit Körper und nicht nur Wasser mit Würfel.

Die Rauchware zuerst anbraten, damit sie Tiefe entwickelt, danach Brühe und Kartoffeln dazugeben. Das Kraut nicht zu lange nachkochen, wenn es bereits sehr weich ist, sonst zerfällt es komplett. Kraut vorher ausdrücken, damit die Suppe nicht wässrig-salzig kippt, und die Lake nur vorsichtig nachjustieren. Majoran erst gegen Ende dazugeben. Die Suppe sanft köcheln lassen, denn die Bigos-Logik mit stundenlangem Einkochen gehört hier nicht hin.

Kapuśniak ist freezer-freundlich, weil im Topf keine Milchprodukte stecken, also portionieren, beschriften, auftauen und frisch abschmecken. In Deutschland ist es oft das Gericht, das Nachbarn ohne weitere Erklärung einfach als Sauerkrautsuppe verstehen, ohne dass man den Unterschied zu Bigos ausführen muss. So wird aus dem Vorrat im Kiszenie-Glas ganz nebenbei ein Essen für die ganze Woche.

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Am Tisch

Als Hauptsuppe mit kräftigem Brot, optional mit Schmand. Nach Kapuśniak passt eher ein leichter Nachtisch oder gar nichts Schweres mehr. Für Gurkensäure greift man zu Ogórkowa, für den Zakwas-Festtag zu Żurek, und wer lieber schmoren statt löffeln möchte, kocht Bigos.

Zu nasses, nicht ausgedrücktes Kraut und danach zu starkes Überwürzen sind ein häufiges Muster. Kapuśniak wie Bigos stundenlang einzukochen, bis eine Art Paste entsteht, passt nicht zum Charakter der Suppe. Zu wenig Raucharoma zu Beginn führt oft dazu, dass später zu stark nachgewürzt wird. Zu starkes Kochen macht außerdem die Kartoffeln matschig und die Suppe insgesamt trüb und aggressiv sauer.

Mit Räucherrippchen wird die Suppe deftiger, vegetarisch gelingt sie mit geräuchertem Tofu, wenn man den fehlenden Rauchgeschmack ehrlich benennt, oder mit mehr Kartoffel als sättigender Winterteller. Die Bergversion Kwaśnica verzichtet komplett auf Wurzelgemüse, während Szarpak und Parzybroda in Pommern zwischen kiszonem und frischem Kohl unterscheiden. Übersicht und Einordnung liefert Polnische Suppen, den Kraut-Kontext der Kiszenie-Guide und die Wurstwahl Kiełbasa-Arten. Mit Bigos-Varianten sollte man das Gericht trotzdem nicht verwechseln.